Wer prüft was auf welcher Grundlage?

Bevor in Deutschland ein Fahrzeugmodell neu auf den Markt gebracht werden kann, muss es ein Typgenehmigungsverfahren durchlaufen. Dazu wird – analog zu vielen anderen Produkten – ein Baumuster geprüft. Mit der Typgenehmigung erlangt der Hersteller die Erlaubnis zur Serienproduktion des Fahrzeugs. Die zuständige deutsche Behörde ist das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA).


Wann und wie werden derzeit Verbrauch und Emissionen gemessen?

Verbrauchs- und Abgaswerte werden bei der Typprüfung unter standardisierten Bedingungen auf dem
Rollenprüfstand gemessen. Geltender Testzyklus ist der Neue Europäische Fahrzyklus (NEFZ). Der Kraftstoffverbrauch wird aus den ermittelten CO2-Emissionen errechnet. Die Abweichungen des „auf der Rolle“ ermittelten Verbrauchs vom realen Verbrauch sind systembedingt: Die bestehenden gesetzlichen Vorgaben eröffnen zahlreiche legale Möglichkeiten, um den Testverbrauch gering zu halten.


Wie lautet die Kritik am bisherigen Verfahren?

Kritiker monieren, dass die Herstellerangaben zum Verbrauch von Fahrzeugen bis zu 40 Prozent unter den im Alltag erzielten Werten liegen.
Weil er von längst überholten Rahmenbedingungen ausgehe – etwa, was Leistung, Ausstattung und Gewicht der Fahrzeuge, Beschleunigungsvorgänge oder Verkehrssituation angehe –, liefere der NEFZ realitätsferne Ergebnisse, so die Kritik.


Wie wird in Zukunft gemessen?

Die zukünftige europäische Abgasgesetzgebung wird seit Jahren von zahlreichen Interessengruppen intensiv diskutiert. Stand heute ist sicher, dass künftig jene Verbräuche und Emissionen zusätzlich gemessen werden, die unter realen Fahrbedingungen im Straßenverkehr entstehen (Real Driving Emissions).

Was für Nutzfahrzeuge bereits seit 2013 gilt, könnte ab Ende 2017 auch für Pkw verbindlich gelten. Mit dem WLTP wurde ein neuer Testzyklus für den Rollenprüfstand entwickelt, der die Bedingungen des Straßenverkehrs realistischer abbilden und den NEFZ Ende 2017 ablösen soll. Die definitiven Umsetzungstermine stehen jedoch noch nicht fest.


Bringt der WLTP realistische Verbrauchsangaben?

Nein, auch beim WLTP handelt es sich um ein Testverfahren unter Idealbedingungen. Ziel ist eine in möglichst vielen Ländern der Welt harmonisierte Typzulassung. Im WLTP ermittelte Werte sichern die Vergleichbarkeit von Modellen; für realistischere Angaben zu Verbrauch und Emissionen wird er alleine nicht sorgen. Die Herstellerangaben können weiterhin vom Alltagsverbrauch abweichen. Der WLTP schafft aber die technischen Voraussetzungen für die Emissionsmessung im realen Fahrbetrieb (RDE).