Obwohl es in Hessen bislang keine Umweltzone gibt, hat der TÜV Hessen in den letzten Wochen einen enormen Ansturm auf die Feinstaub-Plaketten erlebt. Dabei wird frühestens ab Juli 2008 Frankfurt als erste hessische Großstadt ihre Innenstadt für Diesel-Pkw ohne Rußpartikelfilter dicht machen.
Unbegründet ist beim TÜV Hessen die Angst vor Preistreiberei: Automobilclubs hatten kritisiert, dass insbesondere ausländische Transit-Reisende mit Wucherpreisen für die Aufkleber im Internet abgezockt würden. Beim TÜV Hessen kostet die Plakette für jeden 5 Euro und ist selbst im Falle eines kurz-
fristigen Wochenend-Besuchs in ganz
Hessen auch samstags bis 18 Uhr erhältlich.
Einen solchen enormen Ansturm auf die neuen Aufkleber für die Windschutzscheiben habe man nicht unbedingt erwartet, erklärt Ernst Biemer, Leiter der Technischen Prüfstellen (TP) beim TÜV Hessen in Darmstadt. „Vor allem seit dem Jahreswechsel ist die Nachfrage rapide gestiegen“. In den ersten drei Arbeitstagen des neuen Jahres seien beispielsweise die Vorräte der Niederlassung Süd, 1000 Stück, komplett verkauft worden. Schwierigkeiten, den Bedarf zu decken, habe man grundsätzlich jedoch nicht.
Dabei gibt es die Plaketten bereits seit März 2006, doch nach einem anfänglichen Boom ging die Nachfrage im Sommer drastisch zurück und ist nun neu entfacht. Damals ist die EU-Verordnung in Kraft getreten, die es Städten und Kommunen erlaubt, Umweltzonen einzurichten und Fahrverbote für Autos mit hohem Schadstoffausstoß auszusprechen. Wer nun in einem solchen „Sperrgebiet“ ohne Feinstaubplakette unterwegs ist, muss mit einem Verwarnungs- oder Bußgeld und einem Punkt in Flensburg rechnen.
Obwohl es bisher nur in Berlin, Hannover und Köln Umweltzonen gibt, in denen die Schadstoff-Nachweise an der Windschutzscheibe seit 1. Januar Pflicht sind, wollen offenbar viele Autofahrer für den Fall der Fälle vorsorgen. Zum 1. März folgen Stuttgart und Mannheim, in Frankfurt sollen Dieselfahrzeuge ohne Rußpartikelfilter frühestens ab 1. Juli 2008 aus der Stadt verbannt werden, um die Feinstaubbelastung zu senken.
Seit das Thema in der Presse und im Fernsehen läuft, sei die Nachfrage massiv gestiegen, berichten TÜV-Prüfstellenleiter aus ganz Hessen. Die grünen Plaketten für Autos mit besonders geringem Schadstoffausstoß würden am häufigsten nachgefragt, bestätigt etwa Stephan Werth, Leiter Mobiler Service in Kassel. Er vermutet, dass viele die Urlaubszeit genutzt haben, um sich die Plaketten zu besorgen. „Die Plaketten kaufen insbesondere ältere Autofahrer und jene, die beruflich mit ihrem Fahrzeug unterwegs sind“. Dabei gilt: Nur wer beruflich oder zum Shoppen in diese Innenstädte fährt oder Freunde und Verwandte dort besucht, benötigt derzeit die Aufkleber. Wer also nicht in absehbarer Zeit in fremde Großstädte fahren muss, „für den besteht keine Gefahr, vor einem Einfahrtsverbots-Schild zu stehen“, so Biemer.
Für Hessen gilt:
Frankfurt will seine Innenstadt für Dieselautos ohne Filter voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2008 dichtmachen. Als Termin angepeilt ist der 1. Juli. Frankfurt ist die am stärksten mit Feinstaub belastete Stadt in Hessen. Aktionspläne zur Luftreinhaltung gibt es außer für Frankfurt noch für Kassel und Darmstadt, wo aber keine Umweltzonen vorgesehen sind. Dabei wurden auch in Kassel 2007 an 33 Tagen die Grenzwerte für gefährlichen Feinstaub in der Atemluft überschritten. 35 Überschreitungen des Grenzwertes von 50 Mikrogramm Feinstaub im Tagesmittel pro Kubikmeter Luft gelten als zulässig.
Einer EU-Studie zufolge sterben in Deutschland jährlich 65.000 Menschen an den Folgen von Krankheiten, die durch Feinstaub aus Dieselruß, Baustaub oder Abgasen aus Industrie und Heizungen verursacht werden. Die Staubpartikel sind so fein, dass sie ungehindert in die Lunge gelangen. Dort können sie Entzündungen, Asthma, Bronchitis oder Krebs auslösen.
Vier Stufen der Einordnungen:
Insgesamt gibt es vier Stufen der Einordnungen für Kfz: Grün gibt's für Diesel-Pkw der Schadstoffklassen Euro 4 und 5, Gelb für Euro 3 und Rot für Euro 2. Keine Plakette erhalten Euro-0- und Euro-1-Diesel. Sie lassen sich aber zum Teil nachrüsten, etwas sauberer und plakettentauglich machen. Für die meisten Benziner gibt es ebenfalls die grüne Plakette. Entscheidend für die jeweilige Farbe sind die Emissions-Schlüsselnummern im Fahrzeugschein.
Eine Tabelle mit den Emissions-Schlüsselnummern gibt es unter www.tuev-hessen.de
Die Fachleute vom TÜV Hessen beantworten auch an allen Prüfstellen Fragen rund um die neue Umweltplakette und beraten zu Umrüstmöglichkeiten. Für eine Plakette muss das Auro nicht vorgeführt werden. Einfach Fahrzeugschein mitbringen und vorlegen. Die TÜV-Experten lesen anhand der Schlüsselnummer die Schadstoffklasse ab und teilen die Plakette zu.
Ideal gerade für ausländische Autofahrer: Samstags Plakette bis 18 Uhr einkaufen
Automobilclubs kritisierten kürzlich, dass gerade ausländische Gäste, die mit ihrem Auto touristische Ziele in Deutschland ansteuern, hier arbeiten oder Freunde oder Verwandte besuchen möchten, zwar eine gültige Plakette benötigen, aber kaum Zugang zu einem seriösen deutschen Plakettenvertrieb hätten. Die Aufkleber würden vor allem im Internet zu überhöhten Preisen von bis zu 50 Euro verkauft, warnten etwa der AvD, ADAC und ACE.
Bei den Service-Centern des TÜV Hessen müssen sich ausländische Kraftfahrer dagegen keine Sorgen machen: Sie erhalten die erforderliche Plakette ebenfalls für fünf Euro. Wer sich lieber auf die Hilfe von deutschen Freunden verlässt, muss diesen eine Kopie seiner Fahrzeugpapiere anvertrauen. Wenn eine Kopie der Fahrzeugpapiere vorgelegt wird, muss diese klar lesbar sein und auch der Bezug zu dem eigentlichen Fahrzeug hergestellt werden können.
Aber auch ausländische Autofahrer, die kurzfristig übers Wochenende nach Deutschland reisen, finden beim TÜV Hessen geöffnete Ausgabestellen vor: zumindest samstags können sie fast alle hessischen Service-Center bis 18 Uhr ansteuern.
Der TÜV Hessen verkauft die Plaketten für fünf Euro hessenweit in allen Prüstellen (Adressen unter www.tuev-hessen.de).
Weitere Infos gibt es auch unter: www.tuev-hessen.de
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