Unternehmenszentrale DFS Deutsche Flugsicherung in Langen (Quelle: DFS Archiv)

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Newsletterartikel vom Februar 2010 |
Europas Grenzen sollen nicht nur am Boden verschwinden, sondern auch am Himmel: Die EU plant einen einheitlichen europäischen Luftraum. Voraussetzung für eine effiziente europäische Flugsicherung sind größere zusammenhängende Lufträume, weshalb Deutschland, die Schweiz und Frankreich eine gemeinsame Kontrolle des Luftraums erwägen. Dazu erarbeiten die Flugsicherungen der drei Länder – Deutsche Flugsicherung (DFS), Skyguide und die französische DSNA – gerade eine Machbarkeitsstudie für einen Luftraum in dem unabhängig von nationalen Grenzen geflogen werden kann.
Die Kontrolle in diesem Luftraum erfolgt dann durch einen im Wettbewerb ermittelten und für Flugsicherungsaufgaben lizensierten Provider, der dann über nationale Grenzen hinweg den Luftraum kontrolliert. Dabei ist es unerheblich aus welchem Land heraus die Kontrolle erfolgt. Würde die Standortfrage für Deutschland entschieden, könnte das neue Kontrollzentrum eines Tages vielleicht in Langen stehen, dem heutigen Sitz der DFS.
Deren Lotsen kontrollieren jedes Jahr mehr als drei Millionen Flüge vom Zeitpunkt des Abhebens bis zur Landung und sorgen somit dafür, dass die Airlines ihre Passagiere sicher und pünktlich ans Ziel bringen. Dabei helfen den derzeit rund 1.700 Lotsen moderne Flugsicherungssysteme, die nicht nur die Position eines Flugzeuges bestimmen, sondern auch genaue Angaben zu Höhe, Geschwindigkeit und Luftfahrzeugdaten liefern. Diese Technik wird von den hoch spezialisierten Ingenieuren der DFS ständig verbessert und weiterentwickelt. Damit soll auch in Zukunft bei dichter werdendem Verkehr die Sicherheit aller Luftverkehrsteilnehmer zu jeder Zeit garantiert sein.
Höchste (technische) Sicherheit ist der Service, den die DFS als modernes Dienstleistungsunternehmen ihren Kunden – Fluggesellschaften, Privatflieger oder Bundeswehr – anbietet. Der Maßstab dabei ist höchste Qualität. Das gilt jedoch nicht nur nach außen; auch die eigenen Mitarbeiter profitieren von den hohen Ansprüchen, die die DFS an sich stellt. Nicht nur weil es der Gesetzgeber will, ließ die Gesellschaft jetzt die Gefährdungen am Arbeitsplatz für ihre rund 2.500 Mitarbeiter am Hauptstandort Langen durch den TÜV Hessen ermitteln.
Die Sicherheitsexperten der Frankfurter TÜV-Niederlassung analysierten gründlich über den Zeitraum von 15 Monaten alle möglichen Gefahrenpotenziale. „Einfach gesprochen schauen wir, wo jemandem etwas auf die Füße fallen kann, und überlegen, wie sich das verhindern lässt“, erklärt die Aufgabe Dipl.-Ing Ulrich Forchheim, der für den TÜV Hessen das Projekt leitet.
Dabei stehen Richtlinien des Arbeitsschutzes und der Betriebssicherheit im Fokus, wie sie in verschiedenen Verordnungen, Gesetzen und Berufsgenossenschaftlichen Vorschriften geregelt sind.
Unternehmenszentrale DFS Deutsche Flugsicherung in Langen (Quelle: DFS Archiv)
Als Ergebnis dieser Untersuchungen erhalten Vorgesetzte konkrete Handlungsanleitungen an die Hand oder Vorschläge für Schutzmaßnahmen, mit denen sie die Arbeitssicherheit für ihren Verantwortungsbereichen sicherstellen können.
Allzu viel zu tun bekommen die leitenden DFS-Angestellten jedoch nicht: „Insgesamt hat sich der hohe Sicherheitsanspruch der DFS auch in der Gefährdungsbeurteilung bestätigt; da haben wir keine größeren Probleme erkannt“, lobt Ulrich Forchheim. Das sei bei anderen, vergleichsweise großen Untersuchungen längst nicht immer der Fall.
Beeindruckt zeigte sich Forchheim etwa von der mehrfachen Absicherung der Strom- und Energieversorgung durch Backupsysteme. Um sensible Bereiche wie beispielsweise die stationären Gaslöschanlagen kümmere man sich besonders intensiv. Der Umgang mit dem Löschgas Kohlendioxid sei wegen seiner Gefährlichkeit oft kritisch, so Forchheim; mit ihm werden im Brandfall die Böden der Rechnerräume geflutet und somit vor Beschädigung bewahrt.
Arbeitsplatz Flugsicherung (Quelle: DFS Archiv)
In 13 Gebäuden und Anlagen auf dem gesamten Campus der Flugsicherung in Langen hatte der TÜV-Ingenieur die Sicherheitsrisiken für die DFS-Beschäftigten in den verschiedensten Einsatzgebieten überprüft. Dazu zählten unter anderem das Center, die Unternehmenszentrale, Flugsicherungsakademie, Logistikzentrale und sogar das Gästehaus.
Eine Herausforderung war für Projektleiter Forchheim die Dokumentation: „Anspruchsvoll war es, einerseits ein einfach handhabbares System zu entwickeln, das aber die komplexen Anlagen der Flugsicherung ausreichend abbildet“.
In enger Zusammenarbeit mit dem Leiter Medienverfügbarkeit in der DFS, Volkmar Hartmann, entwickelte der TÜV Hessen eine softwarebasierte Datenbank, in der jeder einzelne Gefährdungsfaktor als Datensatz registriert ist. Hinterlegt ist auch die jeweilige berufsgenossenschaftliche Vorschrift, auf die sich die Gefährdungsbeurteilung bezieht. Wenige Klicks in der Eingabemaske reichen aus, um sich übersichtlich anzeigen zu lassen, in welchem Gebäude oder Raum Gefährdungen vorliegen, wie diese bewertet sind, wer für die Beseitigung verantwortlich und wie der Status des Vorgangs ist. Das Werk dient als Arbeitsgrundlage für die Führungsebene und Mitarbeiter und soll regelmäßig aktualisiert werden. Wie detailliert es gestaltet ist, ist dem Arbeitgeber überlassen. „Würde man jeden offenen Schnürsenkel aufschreiben, wäre das Werk riesig und unübersichtlich. Also konzentrieren wir uns auf wesentliche Gefahrenpotenziale“, erklärt Forchheim.
Gut 520 Datensätze mit möglichen Gefährdungsfaktoren sind dennoch zusammengekom-men. „Sofortiger Handlungsbedarf war aber nur in wenigen Fällen gegeben“, sagt Forchheim. Beanstandet wurde etwa ein aus dem Boden ragendes Netzteil im Forschungszentrum, das zur Stolperfalle werden kann. Oder eine zu groß geratene Kabeldurchführung in der Wand, durch die bei einem möglichen Brand Qualm in den Nachbarraum entweichen könnte. Für den Umgang mit der Kettensäge fehlte die notwendige Unterweisung, Fluchtwegmarkierungen waren mancherorts nicht eindeutig, und auch das Reinigungspersonal muss erneut geschult werden, damit im Labor keine spannungsführenden Teile berührt werden können. Sogar den unternehmenseigenen Sportplatz bezog TÜV-Prüfer Forchheim mit ein in seinen Check – und bemängelte den ausgetretenen Belag mit vielen Unebenheiten.
Tower in Frankfurt (Quelle: DFS Archiv)
So wird jeder Gefährdungsfaktor bewertet und nach dem Grad der Gefährlichkeit in eine von drei Kategorien eingeteilt, die die Dringlichkeit signalisieren: „Akzeptabel“, „Verbesserung anstreben“ und eben „sofortiger Handlungsbedarf“. In nur rund fünf Prozent der Fälle muss die DFS alsbald nachbessern. Vier von fünf Arbeitsplatzumgebungen wurden dagegen kaum bis gar nicht beanstandet. Besteht eine Teilgefährdung, liefert der TÜV Hessen gleich Vorschläge mit für eine entsprechende Schutzmaßnahme. Diese Ideen allerdings sind nicht bindend.
Wie der Vorgesetzte letztlich Abhilfe schafft, kann er selbst entscheiden. Denn der TÜV ist in diesem Fall nur beratend tätig und übernimmt keine hoheitliche Prüfaufgabe. „Folglich haben wir kein Druckmittel in der Hand, um die Beseitigung der Gefahren durchzusetzen. Wir dürfen unserem Auftraggeber nur Hinweise geben“, erklärt Forchheim. Es gebe auch keine Plakette oder ein Zertifikat. Wichtig sei es dennoch, dass die Gefährdungen abgestellt werden. Wurde dies versäumt, und erleidet ein Beschäftigter in der Folge einen Arbeitsunfall, kann der Versicherungsschutz erlöschen. Dann könnte der Vorgesetzte in die persönliche Haftung genommen werden. Die DFS hat den TÜV Hessen daher um einen einen Wartungsvertrag gebeten. Das heißt, einmal jährlich kontrollieren die TÜV-Experten stichprobenartig den Status.
Forchheim ist zuversichtlich, dann nicht mehr viel bemängeln zu müssen. Er bescheinigt den Verantwortlichen bei der DFS ein enormes Sicherheits-bewusstsein: „Hier macht man sich viele Gedanken, auch über Details“. Im Falle des aus dem Boden ragenden Netzteils wurde also zum Beispiel der Deckel des Bodentanks nicht etwa notdürftig verschlossen, sondern die ganze Anlage von Technikern ausgebaut und tiefer gesetzt. „Da wurde nicht lange über die Lösung diskutiert, sondern gehandelt. Das erleben wir leider nicht oft“, schildert TÜV-Sachverständiger Forchheim seine Erfahrungen. Ebenso beeindruckt war er, wie die DFS im Falle des bemängelten Sportfeldes reagierte: Statt Löcher auszubessern, soll der komplette Belag kurzerhand entfernt und neu verlegt werden– es könnte ja jemand umknicken…
Info: Nachdem der TÜV Hessen in einem ersten Schritt die Gefährdungsbeurteilung für den Campus Langen erstellt hat, wurde er von der DFS auch für ein Folgeprojekt beauftragt, das bereits läuft. Diesmal sind Gefährdungsbeurteilungen aufzustellen für Sendestellen und Radaranlagen der DFS im Umkreis von rund 100 Kilometer um den Standort Langen herum. Dies beinhaltet auch die Begutachtung der Toweranlagen auf dem Gelände des Frankfurter Flughafens, der Neunkircher Höhe, im Pfälzer Wald oder auf der Wasserkuppe.
Kontakt:
Industrie Service - Geschäftsfeld Öffentliche Institutionen und Dienstleister
Dipl.-Ing. Ulrich Forchheim
Tel. 069 7916-480
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