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TÜV-Report 2012: Jedes fünfte Fahrzeug hat erhebliche Mängel

Pressemitteilung:
VdTÜV, TÜV Hessen , 06.12.2011

Der Zustand der Autos in Deutschland hat sich weiter verschlechtert: jedes fünfte Auto besteht die Hauptuntersuchung (HU) nicht. Die Quote der untersuchten Autos mit erheblichen Mängeln ist im Vergleich zum Vorjahr geringfügig um 0,2 Prozentpunkte auf 19,7 Prozent angestiegen. Schon zum vierten Mal in Folge wächst damit die Zahl der Fahrzeuge, die zunächst in die Werkstatt mussten, bevor sie die Plakette erhielten: Von 15,7 Prozent im Jahr 2007 auf jetzt fast 20 Prozent.

26,3 Prozent weisen zumindest leichte Mängel auf (2011: 28,2%). Erfreulich: der Anteil der mängelfreien Fahrzeuge hat sich in den vergangenen fünf Jahren von 48,3 Prozent im Jahr 2007 auf 53,9 Prozent im TÜV Report 2012 verbessert. Das geht aus dem TÜV-Report 2012 hervor, dessen Ergebnisse am 6. Dezember in Berlin veröffentlicht wurden.

In Hessen zeigt der Trend sogar noch deutlicher nach oben: hier hat der TÜV Hessen innerhalb eines Jahres einen Anstieg von 19 Prozent um fast vier Prozentpunkte registriert. 22,7 Prozent ist hier der Anteil der Fahrzeuge, die wegen erheblicher Mängel die HU nicht bestehen. Im Jahr 2007 hatte die Quote der Fahrzeuge mit erheblichen Mängeln in Hessen noch bei rund 15 Prozent gelegen.

Deutlich wenige Fahrzeuge ohne Mängel

25,7 Prozent weisen zumindest leichte Mängel auf und rund die Hälfte (51,6 Prozent) sind mängelfrei. Diese Zahlen liegen ungefähr auf dem Niveau des Bundesdurchschnitts. Wobei deutlich weniger Fahrzeuge als noch im Vorjahr (56 Prozent) ohne Beanstandung durch die HU kamen. Das heißt, die Prüfer des TÜV Hessen sind zuletzt auf deutlich weniger unauffällige Fahrzeuge gestoßen und auf deutlich mehr Fahrzeuge mit schwerwiegenden Sicherheitsmängeln.

Neue Mängelgruppen wegen erweiterter Hauptuntersuchung

Ein Grund dafür kann in der erweiterten Hauptuntersuchung liegen: für Fahrzeuge ab Erstzulassung 1. April 2006 wurde die HU auf die Prüfung der elektronischen Systeme ausgedehnt. Da nun auch die Fahrzeugsystemdaten ausgelesen werden, gibt es auch neue Mängelgruppen, etwa die Nicht-Funktionsfähigkeit eines Airbags.

Mehr als jeder dritte Oldie (zehn Jahre oder älter) fällt durch

Der Anteil der Hauptuntersuchungen im Zeitraum zwischen Juli 2010 und Juni 2011, die der TÜV Hessen für den TÜV-Report 2012 auswerte, zeigt folgendes Bild. Bereits an 5,6 Prozent (Bundesschnitt: 5,9 Prozent) aller Fahrzeuge, die bis zu drei Jahre alt waren und das erste Mal zur Hauptuntersuchung vorgeführt wurden, stellte der TÜV Hessen erhebliche Mängel fest. An fünfjährigen Fahrzeugen wiesen 10,6 Prozent (Bundesschnitt: 10,3 Prozent) erhebliche Mängel auf, bei den Siebenjährigen 18,8 Prozent (Bundesschnitt: 17,5 Prozent) und bei den Neunjährigen 24,4 Prozent (Bundesschnitt: 22,2 Prozent). Mit 36,1 Prozent bekam über ein Drittel der mindestens zehn Jahre alten Autos in Hessen die Plakette erst nach einem Besuch in der Werkstatt.

Abwrackprämie wirkt sich aus: weniger Oldies in Hessen

Der deutliche Anstieg der Mängelquote lässt sich aus Sicht des TÜV Hessen allerdings nicht damit erklären, dass es mehr ältere Fahrzeuge gibt. Im Gegenteil: Die Anzahl der vom TÜV Hessen geprüften Autos, die älter als neun Jahre sind, lag 2011 bei 38,3 Prozent. Im Jahr 2010 machten die Oldies noch einen Anteil von gut 43 Prozent aus. Hier wirkt sich vermutlich die Abwrackprämie deutlich aus. Im kommenden Jahr rechnet der TÜV Hessen damit, dass die Mängelquote nicht weiter steigt und vielleicht sogar endlich wieder sinkt: dann tauchen die vielen jungen Fahrzeuge in der Statistik auf, die zu Zeiten der Abwrackprämie gekauft wurden und nach drei Jahren erstmals zum TÜV müssen.

TÜV Hessen: typisch in Krisenzeiten – weniger Geld für Wartung oder neues Auto

Vielmehr vermuten die TÜV-Experten, dass die hohen Unterhaltskosten für Autos eine mögliche Ursache für die deutlich gestiegene Mängelquote sind. Im Auswertungszeitraum von Juli 2010 bis Juni 2011 blieben die Spritpreise auf hohem Niveau. Ein Zusammenhang zwischen dem Geld, das die Bürger in der Tasche haben, und dem Zustand der Fahrzeuge ist erkennbar: gerade bei älteren Fahrzeugen werden notwendige Reparaturen und Wartungsarbeiten offenbar häufig aufgeschoben.

AUTO BILD TÜV-Report 2012: das sagt der VdTÜV

„Rechnet man die Quote der Fahrzeuge mit erheblichen Mängeln auf den Gesamtbestand der Pkw in Deutschland hoch, bedeutet das Ergebnis, dass rund acht Millionen Fahrzeuge den Anforderungen an die technische Sicherheit nicht genügen“, erläuterte Dr. Klaus Brüggemann, Geschäftsführendes Präsidiumsmitglied des VdTÜV e.V. „Bereits vom Kauf eines neuen Fahrzeugs an sollte deshalb durch regelmäßige Wartung und Pflege dafür gesorgt werden, dass die technische Sicherheit langfristig erhalten bleibt.“

Ab Freitag, dem 16.12.2011 ist der AUTO BILD TÜV-Report an jeder TÜV-Station sowie im Zeitschriftenhandel erhältlich. „Wo steht mein Wagen im aktuellen Ranking, wo steht der meiner Nachbarn oder Freunde? Und wo der Gebrauchte, den ich mir als Kaufobjekt ausgesucht habe? Solche und viele andere Fragen beantwortet der Report gewohnt detailliert und so objektiv wie kein anderer Ratgeber, da sich die Redaktion ausschließlich auf die Daten von rund acht Millionen Hauptuntersuchungen stützt. Hier kommt jede Wahrheit ungeschminkt ans Licht“, erläutert Hartmut Müller-Gerbes, Chefredakteur des AUTO BILD TÜV-Reports.

Acht Millionen Hauptuntersuchungen ausgewertet

Rund acht Millionen Hauptuntersuchungen im Zeitraum zwischen Juli 2010 und Juni 2011 werteten die TÜV-Experten für den TÜV-Report 2012 aus. Bereits an 5,9 Prozent aller Fahrzeuge, die bis zu drei Jahre alt waren und das erste Mal zur Hauptuntersuchung vorgeführt wurden, stellte der TÜV erhebliche Mängel fest (2011: 5,5 Prozent). An fünfjährigen Fahrzeugen wiesen 10,3 Prozent (2011: 10,4 Prozent) erhebliche Mängel auf, bei den Siebenjährigen 17,5 Prozent (2011: 16,7 Prozent) und bei den Neunjährigen 22,2 Prozent (2011: 21,4 Prozent). Mit 26,8 Prozent bekam rund ein Viertel aller elfjährigen Fahrzeuge wegen erheblicher Mängel die HU-Plakette erst nach einem Besuch in der Werkstatt (2011: 26,0 Prozent).

Erfreuliche Entwicklung: mehr mängelfreie Fahrzeuge

Im Vergleich zum Vorjahr ist die Quote der erheblichen Mängel geringfügig um 0,2 Prozentpunke angestiegen. Erfreulich sei die Entwicklung, dass sich der Anteil der mängelfreien Fahrzeuge in den vergangenen fünf Jahren von 48,3 Prozent im Jahr 2007 auf 53,9 Prozent im TÜV Report 2012 verbessert hat, so Dr. Brüggemann.

Mängel an Beleuchtung wieder an erster Stelle in der Mängelstatisitk
 
Besonders viele Mängel fanden die TÜV-Prüfer an den Beleuchtungsanlagen, Vorder- und Hinterachsen sowie Bremsleitungen und Schläuchen. „Die über Jahre konstant hohen Mängelraten an der Beleuchtung sind erstaunlich“, erläutert Dr. Brüggemann. „Jeder Autofahrer ist eigentlich dazu verpflichtet, sich vor jeder Fahrt durch eine Sichtkontrolle von der Funktionstüchtigkeit wichtiger Fahrzeugkomponenten zu überzeugen.“ Beleuchtungsmängel wären dadurch einfach zu erkennen. „Selbst die Warnlampe im Cockpit scheint häufig nicht auszureichen,“ so Dr. Brüggemann. Doch nicht nur Autofahrer und Werkstätten sind in der Pflicht: Häufige Mängel, etwa an Vorder- und Hinterachse, können auch konstruktionsbedingt sein.

Hauptuntersuchung wird weiterentwickelt

Vor 60 Jahren, am 1.Dezember 1951, wurde in der Bundesrepublik die regelmäßige Hauptuntersuchung eingeführt. Seit dem hat sich die Fahrzeugtechnologie stark weiterentwickelt, deshalb wird auch die Hauptuntersuchung permanent an den Stand der Technik angepasst. „Besonders in den letzten Jahren haben computergestützte elektronische Sicherheitssysteme an Bedeutung gewonnen“, erläuterte Dr. Brüggemann, "ein wichtiger Schritt steht im kommenden Jahr bevor: Bei Fahrzeugen, die ab dem 1.April 2012 zugelassen sind, kann der Prüfer direkt an der On Board Diagnose (OBD) – Schnittstelle feststellen, ob die elektronischen Sicherheitssysteme wie ABS oder ESP funktionieren". Darüber hinaus soll es künftig bei einer Überziehung der Prüfrist keine Rückdatierungen mehr geben. Den notwendigen Änderungen des §29 der STVZO muss allerdings der Bundesrat noch zustimmen.

Datenbasis Hauptuntersuchung

Im TÜV-Report werten die Experten die Ergebnisse der vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Hauptuntersuchungen aus. Die Bewertungsgrundlage ist dadurch ausschließlich durch den Prüfkatalog der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) definiert. Die Gruppierung der Fahrzeuge folgt den gesetzlich vorgeschriebenen Prüfintervallen.

Der AUTO BILD TÜV-Report ist ab 16.12.2011 zum Preis von 4,50 EURO im Zeitschriftenhandel und an den TÜV-Stationen erhältlich. Herausgeber ist der Verband der TÜV e.V., gemeinsam mit dem TÜV SÜD, TÜV NORD, TÜV Rheinland, TÜV Hessen und TÜV Thüringen.

Weitere Informationen finden Sie unter: VdTÜV-Presse und unter: www.tuev-hessen.de

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