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Pflichttests für ältere Autofahrer? TÜV Hessen bietet mit KONDIAG freiwilligen Fitness-Check für Senioren

Pressemitteilung:
TÜV Hessen , 23.07.2009

(Darmstadt/Frankfurt) Der TÜV Hessen lehnt obligatorische Tests für ältere Führerschein-Inhaber ab, wie sie derzeit nach dem Unfall eines 79 Jahre alten Rentners mit drei Toten im Sauerland von Teilen der Politik gefordert werden.
Stattdessen setzt die Prüforganisation, die in Hessen vom Land als „staatsentlastende Aufgabe“ die Vergabe von Führerscheinen übertragen bekommen hat, auf freiwillige Selbstüberprüfung. Dazu bietet der TÜV Hessen den freiwilligen Fitness-Check KONDIAG an in allen seinen Begutachtungsstellen für Fahreignung.

Senioren sollten generell ihre Fahreignung selbstkritisch beobachten und sich bei Zweifeln untersuchen lassen, sagt Dr. Hannelore Hoffmann-Born, leitende Ärztin beim TÜV Hessen in Frankfurt und Vorstandsmitglied bei der Deutschen Gesellschaft für Verkehrsmedizin (DGVM). „Im Alter nimmt die Leistungsfähigkeit meist schleichend ab“, erklärt die Verkehrsmedizinerin. So lassen etwa Sehkraft und Reaktionsvermögen nach. Eine exakte Altersgrenze, ab der das Fahren unsicherer werde, lasse sich aber nicht bestimmen.

Weiterfahren oder aufhören? - KONDIAG bietet Hilfestellung

Pflichttests hält Hoffmann-Born deshalb für das falsche Signal: Fahreignung müsse „im Ermessen des Einzelnen“ bleiben. Sie rät älteren Fahrern zu „Selbstkritik“ und freiwilligen Schritten. Einer dieser Schritte kann eine KONDIAG-Untersuchung beim TÜV Hessen sein. Hannelore Hoffmann-Born hat schon vor Jahren dieses Instrument zur Risikoeinschätzung bei problematischer Fahreignung entwickelt. Denn: „Senioren bleiben mit ihrer Entscheidung über Weiterfahren oder Aufhören allein. Viele brauchen jedoch Hilfestellung, gerade nach Erkrankungen“.

KONDIAG steht für konsiliar-diagnostische Untersuchung und ist ein umfassender Fitness-Check für ältere oder erkrankte Autofahrer. Der Test ist freiwillig und wird an allen Begutachtungsstellen für Fahreignung des TÜV Hessen angeboten. Ganz wichtig: die Ergebnisse unterliegen der ärztlichen Schweigepflicht.

Im Check: Gesundheitszustand und "psychofunktionale Leistungsfähigkeit"

Dabei nehmen die erfahrenen und objektiven TÜV-Verkehrsmediziner einen medizinischen Check vor. Und Verkehrspsychologen mit allen nötigen gesetzlichen Zulassungen und Anerkennungen schätzen die „psychofunktionale Leistungsfähigkeit“ für den Verkehr mit modernsten Testgeräten ein. Denn: „Konzentration, Aufmerksamkeit, Orientierungs- und Reaktionsvermögen entscheiden ebenfalls darüber, ob ein Fahrer ein Sicherheitsrisiko im Straßenverkehr darstellt“, sagt Dr. Hannelore Hoffmann-Born.

Vielen Ärzten fehlt Know-how zur Einschätzung

Um dieses Risiko richtig zu beurteilen, fehle vielen Ärzten laut der TÜV-Medizinerin das Know-how. Generell müssten Ärzte für die Problematik der älteren Autofahrer sensibilisiert werden. Ein grundsätzliches Problem sei jedoch, dass es kaum Fachinformationen gebe – und die wenige spezifische Literatur häufig den behandelnden Ärzten nicht bekannt sei. „Die Verkehrsmedizin wird sehr klein geschrieben. Es ist erstaunlich, wie blind die Medizin auf diesem Auge ist.“ So gebe es keinen Facharzt für Verkehrsmedizin, und Studenten lernten fast nichts über die verkehrsmedizinische Relevanz von Erkrankungen. „Dabei sind viele hoch unfallträchtig.“

Mediziner scheuen vor Aufklärung zurück
 
Ein weiteres Problem kennt Dr. Hoffmann-Born ebenfalls: Viele Ärzte scheuten sich davor, ihren älteren Patienten zu raten, den Führerschein abzugeben. Überfordert fühlten sich Mediziner nach ihrer Erfahrung oftmals auch durch Fragen von Familienangehörigen, wie sich gefährdete Betroffene vom Autofahren abhalten lassen. Das Dilemma: „Wenn ein Arzt seinem Patienten sagt, dass der nicht mehr Autofahren sollte, wechselt der vielleicht die Praxis und kommt nicht wieder. Wer hört das schon gerne?“ Deshalb empfiehlt sie Ärzten, ihre Patienten zur Begutachtung und Beratung an den TÜV Hessen zu verweisen.

Politik und Krankenkassen sollen Anreize schaffen

Mehr Aufklärung in den Praxen sei dringend nötig, mahnt Dr. Hannelore Hoffmann-Born. Dazu müsste die Politik aber die Voraussetzungen schaffen. „Ärzte sollten eine Gebühr für Beratungsgespräche zur Verkehrssicherheit erhalten.“ Und natürlich sollten die Krankenkassen die Kosten für die Fahrtauglichkeitstests übernehmen.

Anreize müssten aber auch für selbstkritische Senioren geschaffen werden, die sich freiwillig testen lassen, etwa durch Bonuszahlungen ihrer Krankenkassen. Und der Entschluss, freiwillig seinen Führerschein zurückzugeben, könnte etwa mit einem ÖPNV-Jahresticket honoriert werden, lautet ein Vorschlag von Dr. Hoffmann-Born.

Die Debatte

Trauriger Hintergrund für die Forderung nach Fahrprüfungen für Senioren ist der Unfall eines 79-Jährigen im Sauerland, der Mitte Juli 2009 ungebremst in einen Schützenumzug gerast war. Drei Menschen waren getötet und 50 weitere verletzt worden. Die Polizei nannte kurz darauf einen Schwächeanfall als möglichen Grund für die Katastrophe. Genauere Erkenntnisse über die Ursache des Unglücks sind allerdings bis heute noch nicht bekannt.


Informationen zu KONDIAG gibt Frau Dr. Hannelore Hoffmann-Born unter Telefon 069 978824-13. Auch steht Sie Medien bei Interesse als Interviewpartnerin zur Verfügung.

Weitere Informationen zu KONDIAG und die Adressen aller Begutachtungsstellen für Fahreignung des TÜV Hessen gibt es im Internet unter www.tuev-hessen.de



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TÜV Technische Überwachung Hessen GmbH
Unternehmenskommunikation
Dipl.-Ing. Wolfgang Krüger (verantwortlich)
Ralf Göthling (Autor)
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