Fahranfänger erhalten vom TÜV Hessen Organspendeausweis - Ministerin Lautenschläger startet Aktion
Pressemitteilung:
TÜV Hessen
, 10.01.2008
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In Deutschland warten rund 12.000 Menschen auf ein Spenderorgan. Jeden Tag sterben drei Patienten, weil für sie kein passendes Spenderorgan bereitsteht. Diesen Schicksalen steht nach wie vor eine viel zu geringe Spendebereitschaft der Bevölkerung gegenüber: Obwohl vier von fünf Bürgern der Organspende prinzipiell positiv gegenüberstehen, besitzen nur zwölf Prozent der Bevölkerung einen Spenderausweis.
„Nach wie vor gibt es in Hessen zu viele Vorurteile über dieses Thema - wenn auch zuletzt die Ablehnung erwiesener-
maßen zurückgegangen und die Zahl der Organspenden im Jahr 2007 deutlich gestiegen ist“, sagt Hessens Sozialministerin Silke Lautenschläger.
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Laura Lindenkreuz (21) aus Darmstadt erhält von Hessens Sozialministerin Silke Lautenschläger den Antrag für ihren Organspendeausweis. Erst kurz zuvor hatte die Fahranfängerin ihre Fahrprüfung beim Darmstädter TÜV-Fahrprüfer Klaus-Peter Müller (rechts) erfolgreich absolviert.
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Die Juristin aus Darmstadt will im Namen der Landesregierung deshalb unter hessischen Bürgerinnen und Bürgern weiter die Bereitschaft erhöhen, einen Organspendeausweis auszufüllen und einer Entnahme zuzustimmen. Dabei soll der TÜV Hessen helfen: Die Technische Überwachung hat aus Wiesbaden 100.000 Flyer mit dem Ausweis erhalten, um diese an Fahranfänger auszuteilen.
Als eine geeignete Zielgruppe, die man überzeugen möchte, frühzeitig Verantwortung für sich selbst zu übernehmen, hat die Landesregierung inzwischen die Führerscheinneulinge erkannt. In hessischen Fahrschulen wird das Thema seit vergangenem Jahr unter die Fahrschüler gebracht. Hier könne man junge Menschen sehr gut und frühzeitig erreichen, so Lautenschläger. "Sie können Fragen stellen und sich bewusst eine Meinung darüber bilden. Wir wünschen uns aufgeklärte Menschen bei diesem wichtigen Thema. Denn Organe spenden kann Leben retten".
So überreichte die 39-jährige Politikerin am 10. Januar einer frischgebackenen Fahrerlaubnisbesitzerin beim TÜV Hessen in Darmstadt einen Antrag für einen Organspendeausweis sowie Informationsmaterial und startete damit die Aktion "offiziell". Die Ausgabe der Pässe an jeden Führerscheinneuling hatte die Hessische Landesregierung im Rahmen ihrer 2007 gestarteten Organspendekampagne "Organe spenden kann Leben retten - Ich bin dabei" im Sommer vergangenen Jahres beschlossen. Der TÜV Hessen mit Sitz in Darmstadt ist die einzige anerkannte Prüfstelle für Fahrerlaubnisprüfungen in Hessen und unterstützt die Kampagne: Rund 100.000 Fahrprüfungen nehmen die TÜV-Prüfer jährlich ab - ebenso viele Antragsformulare, die einem Info-Flyer anhängen, sollen die Fahrprüfer bis Jahresende unter ihre Prüflinge bringen.
Seit November 2007 nehmen sie diese Aufgabe wahr, verbunden mit ein paar persönlichen Worten, die bei den Prüflingen nachwirken. Etwa 15.000 Exemplare wurden schon an Fahranfänger überreicht, schätzt Reinhard Müller, Fachreferent Fahrerlaubniswesen beim TÜV Hessen. "Ob sie die Formulare schließlich ausfüllen, wissen wir nicht. Aber viele junge Leute sind dem Thema gegenüber aufgeschlossen. Sie erhalten durch den Flyer einen Anstoß, darüber nachzudenken." Beschwerden habe er noch keine erhalten.
„Wir wissen, dass es vielen Menschen nicht leicht fällt, sich mit dem Thema Organspende zu beschäftigen, das ja naturgemäß eng mit dem Thema Tod verbunden ist. Es darf aber nicht tabuisiert werden. Im Gegenteil: Wir müssen es diskutieren in unseren Familien, mit unseren Freunden sowie in unseren Vereinen und Verbänden“, betonte die Ministerin. Wie wichtig eine verstärkte Aufklärung ist, zeige ein Blick auf die Statistiken der Deutschen Stiftung Organspende (DSO), in denen Hessen im hinteren Drittel rangiere. Verglichen mit der Spenderzahl etwa in Mecklenburg-Vorpommern habe man bislang in Hessen erst rund die Hälfte vorzuweisen. „Eine Ursache dafür liegt in dem Umstand, dass viele Angehörige gar nicht wissen, welche Einstellung ein verstorbenes Familienmitglied zum Thema Organspende hatte und deshalb im Zweifel eine Entnahme ablehnen. So wird allerdings die Chance vertan, einem anderen Menschen ein neues Leben zu schenken, denn Organe spenden kann Leben retten“, so Lautenschläger. Darum sei es wichtig, sich schon zu Lebzeiten mit der Organspende zu beschäftigen.
Ob jedoch junge Fahranfänger mit 17 oder 18 Jahren schon an Unfälle denken und sich mit dem Thema Tod beschäftigen? "Gerade deshalb, weil man frisch hinterm Steuer sitzt, sollte man darüber nachdenken", findet die Neu-Führerscheinbesitzerin Laura Lindenkreuz (21). "Ich finde Organspenden gut", sagt die Darmstädterin spontan, und versichert, den Spender-Ausweis auszufüllen. Viele ihrer Altersgenossen fühlten sich aber "noch zu jung und denken nichts ans Sterben", glaubt Lindenkreuz auch. Reinhard Müller hat hier andere Resonanz erfahren und traut den jungen Leuten einen differenzierteren Umgang mit dem sensiblen Thema zu: Viele würden denken "Vielleicht brauche ich ja selber mal ein Organ, und dann wäre ich für eine Spende dankbar".
„Natürlich ist mir bewusst, dass es sich bei der Organspende um ein sensibles Thema handelt. Deshalb freue ich mich sehr, dass wir zumindest bei jugendlichen Fahranfängern einen Diskussionsprozess anstoßen, der es möglich machen könnte, dass sich zukünftig noch mehr Menschen auf ihre Weise mit der Problematik auseinander setzen können“, betonte die Ministerin abschließend. Und: „Bedenken Sie immer: Organe spenden kann Leben retten!“
Weitere Infos gibt es auch unter: www.tuev-hessen.de
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